Kunst-Tipp
Neo Rauch – ein deutscher Maler
Ein Portrait zum 50. Geburtstag des Künstlers in 43 Minuten
Der 1960 in Leipzig geborene Neo Rauch gilt als Protagonist der Neuen Leipziger Schule; er wird als einer der einflussreichsten zeitgenössischen Maler wahrgenommen und die Medien berichten von den auf dem internationalen Kunstmarkt erzielten Höchstpreisen seiner Werke. Diesem künstlerischen Superlativ ist die soeben erschienene erste Dokumentation der 'Zweitausendeins Edition' gewidmet. Die Produktion des SWR von Rudij Bergmann (2007) bietet keine einfachen Erklärungen für diesen Erfolg, sondern entführt in eine durch Bildausschnitte, Interviews und Kommentare nachgezeichnete Welt der Kontraste und Spannungen.
Die Kamera zeigt Neo Rauch in seiner Ausstellung 'para' im New Yorker Metropolitan Museum und seinem Atelier in der Leipziger Baumwollspinnerei. Es ist ein Rückblick auf Kindheit und Jugend in der DDR, die Anfänge der Karriere in den achtziger Jahren, seine Präsenz in New York seit den neunziger Jahren. In Deutschland ist er seit der Jahrhundertwende unübersehbar und gegenwärtig verzeichnet die doppelte Retrospektive in Leipzig und München Besucherrekorde. Der nie erwachsen werden wollte und malend immer weiter spielte, ist nicht nur ein international renommierter Künstler geworden, sondern hat mit Abitur und Studium weitere Grundlagen für seine spätere Lehrtätigkeit an der Hochschule für Grafik und Buchkunst in Leipzig gelegt. In der Kunstszene dem Vorwurf des 'Retro-Malers' ausgesetzt, beklagt Neo Rauch seinerseits die Germanophobie der 'Generation Golf' und betont die Faktizität seiner regionalen Wurzeln: "Ich komme einfach aus Mitteldeutschland". Nur in seiner Geburtsstadt kommen ihm die besten Ideen, die Toskana ist für ihn ein Ort der Regeneration, nicht aber der Inspiration. Neo Rauch ist konservativ im "Rückgriff auf den gesicherten Bestand", verarbeitet die überlieferte Kulturgeschichte und wird in die Nachfolge der surrealen Sujets von Max Ernst und Max Beckmann eingeordnet. Heimat und Geschichte, Traum und Alltag sind seine Quellen, die ohne Planung Malprozesse auslösen. Die "Bilder kommen Gottseidank nach wie vor zu mir". Farbverläufe auf dem Boden des Ateliers regen an zu einem 3x4 Meter großen Gemälde, das der Maler 'unvollendet' aus den Händen gibt, sobald die Spedition das Werk zum Käufer bringt.
Statt abstrakter Darstellung werden in Neo Rauchs Werken Geschichten erzählt – allerdings in hermetischen Rätselbildern; die Bewegungen der täglichen Kriege der Welt werden eingefroren - zu Momentaufnahmen. Die 'schönen Bilder' der Archetypen Krieg, Tod, Zerstörung und Elend sind "Vorhöllenorte" und erschließen die "Nachtseite der Seelenlandschaft". Sie verweisen auf die Unveränderlichkeit der Welt. Für Neo Rauch gilt es, in der Kunst eine "Fassung zu finden für all das, die Fassung sein kann in unserer Fassungslosigkeit". Er sieht die Figuren in seinen Bildern als Marionetten ohne Spieler. Als allmächtiger Künstler widersteht er der Versuchung, den 'neuen Menschen' mitzuschaffen, und beschränkt seinen künstlerischen Eros auf die fortdauernde Jagd nach 'dem' Bild der Bilder. (jk)
Neo Rauch in Text und Bild
DVD : Neo Rauch - Ein deutscher Maler. D 2007. 43 Min. Zweitausendeins Edition. SWR 2008 43'
Ausstellung : Neo Rauch – Begleiter. Retrospektive von April bis August 2010 in Leipzig und München
Katalog : Schmidt, Hans-Werner; Schwenk, Bernhart (Hrsg.) Neo Rauch - Begleiter. Stuttgart : Hatje Cantz 2010. 332 S. ISBN 3-7757-2520-2