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Web-Tipp

Netzgesellschaft - Chancen und Risiken
Kolleg der Polytechnischen Gesellschaft am 29. und 30. November 2013 im Museum für Kommunikation in Frankfurt am Main

Zwischen Enthusiasmus und Skepsis bewegt sich heute immer noch die Bewertung der Netzgesellschaft, so lautet die Diagnose der Veranstalter des Polytechnik-Kollegs, der Stiftung Polytechnische Gesellschaft und des Museums für Kommunikation Frankfurt. Dr. Roland Kaehlbrandt (Polytechnische Gesellschaft) und Dr. Helmut Gold (Museum für Kommunikation) haben durch die Veranstaltung geführt.

Um den Kern der Netzgesellschaft zu beleuchten, die unterschiedlichen Folgen der Digitalisierung zu erörtern und die Auswirkungen des Social Web auf die gesellschaftliche Mitwirkung zu diskutieren, haben sie eine Reihe von Fachleuten auf das Podium gebeten, um miteinander und mit dem geladenen Publikum zu debattieren. Grundlegende Aspekte der Netzgesellschaft erläutert Prof. Dr. Armin Grunwald (Institut für Technikfolgenabschätzung und Systemanalyse) in seinem einführenden Abendvortrag mit Blick auf historische Netzwerke, ihre aktuellen Ambivalenzen und die sich daraus ergebenden Perspektiven. Die technische Entwicklung des Internet und seine vielfältige Nutzung haben unsere Gesellschaften weltumspannend beeinflusst. Da aus wissenschaftlicher Sicht eine Prognose schwerfällt, plädiert er für einen verantwortungsvollen Umgang mit dem Netz in der Gegenwart. Im ersten Salon werden Kunst und Kultur von Juergen Boos (Frankfurter Buchmesse), Claudia Dillmann (Deutsches Filminstitut und Deutsches Filmmuseum), Matthias Wagner K (Museum Angewandte Kunst Frankfurt) und Dr. Christian Stöcker (SPIEGEL ONLINE) verhandelt. Zeitgleich beschäftigen sich im zweiten Salon Dr. Detlev Buchholz (Fachhochschule Frankfurt am Main), Prof. Dr. Petra Grell (TU Darmstadt), Prof. Dr. Matthias Rath (PH Ludwigsburg) und Markus Reiter (freier Journalist und Publizist) mit den Feldern Bildung und Wissenschaft.

Familie, Schule und Hochschule tun sich schwer, mit den immer neuen und immer umfassenderen Angeboten aus dem Netz umzugehen. Besonders für die unterprivilegierten, auch nicht in die Netzgesellschaft integrierten Haushalte gibt es zu wenig Unterstützung. Doch Schule und Lehrerschaft sind, so betont das Publikum, besser als ihr Ruf und die Schüler wünschen sich, so der Einwurf einer teilnehmenden Schülerin, nicht nur vor- und nachsorgende Bildungsangebote, sondern gleiche Chancen für alle in der Netzgesellschaft. Der Gedanke, auch die Einflussmöglichkeiten der Gesellschaft auf das Netz zu prüfen, wird in der Abschlussdebatte allerdings nicht weiter verfolgt. Markus Beckedahl (netzpolitik.org), Dr. Stephan Eisel (Konrad-Adenauer-Stiftung) und Prof. Dr. Brigitte Geißel (Goethe-Universität Frankfurt am Main) haben sich auf das Netz als zeitgemäßen oder irrelevanten Teil unserer demokratischen Strukturen konzentriert. Über die Frage, ob die wenigen politischen Blogs im Netz der Parteienverdrossenheit aufhelfen könnten, gerät die massenhafte Pseudobeteiligung durch 'Votings' und 'Liken' im Netz aus dem Blick. Zwar ist im Kolleg insgesamt das Netz als Spiegel der Gesellschaft erkannt worden. Die Gesellschaft stellt diesen Spiegel mitsamt seinen blinden Flecken aber selber her. Richtig resümieren die Veranstalter, müssen die Begriffe zur Beschreibung der Gegenwart immer wieder neu gefunden und vermittelt werden. (jk)

Weiterlesen: Ambivalenzen Das digitale Netz als Spiegel der Gesellschaft im bürgerlichen Diskurs (PDF) - Bericht zu den vom Autor besuchten Veranstaltungen des Kollegs
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